Wie wichtig sind Heimat und Routine, wenn es ums Reisen geht?

Seit etwas mehr als vier Wochen bin ich wieder zurück in Deutschland. Zurück aus den USA, zurück aus dem Auslandssemester und zum Teil auch wieder zurück im Alltag. Aber ist alles wieder wie vorher? Wie viel verändert sich nach so einem Auslandssemester? Und was mache ich mit all den Ideen, die ich dort gesammelt habe?

Wie sehr kann sich ein Mensch verändern?

Als ich ins Ausland gegangen bin, war ich 23. Ob man sich mit 23 noch so viel verändern kann? So zwischen 18 und 22 passiert ja einiges im Kopf, aber mit 23 dachte ich, wäre man ja fast so, wie man für immer sein wird. Zumindest bis man 30 wird. Oder so … Wenn ich jetzt zurückblicke, hat mich mein Auslandssemester gelehrt: Egal wie alt man ist, man kann sich jederzeit verändern. Es kommt eben ganz darauf an, mit wem man sein Leben teilt.

Ich habe die unterschiedlichsten Situationen mit den unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt erlebt. Das hat mich öfters mal herausgefordert, meine eigenen Einstellungen zu überdenken. Und hat mir öfters auch mal Facetten an mir selbst offenbart, die mir vorher nicht bewusst waren. Auf einem Camping-Roadtrip zu sechst lernt man beispielsweise, unheimlich flexibel zu werden und viele Dinge nicht so eng zu sehen 😉

Und jetzt bin ich zurück in Deutschland und merke, dass sich meine Sicht auf viele Dinge verändert hat. Darunter vor allem meine Sicht auf Neuanfang und Routine.

Nach dem Ausland – Zwischen Komfortzone und Neuanfang

Es gab Momente in den USA, wo ich darüber nachgedacht habe, alles hinzuwerfen und ein komplett anderes Leben zu führen. Einen wirklichen Grund hatte ich dafür nicht, Hauptsache es wird nicht langweilig und es geht immer woanders hin. Spaß an der Veränderung und nicht wissen, wohin man gehört – ein Luxusproblem meiner Generation.

Wenn ich eins nicht für meine Zeit nach dem Ausland wollte, dann dass alles wieder sein würde wie vorher. Irgendwie hatte ich ein bisschen Angst vor dem grauen Alltag und dem typischen Loch, in das man laut der Erzählungen vieler Freunde schnell fällt, wenn man von so einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt zurückkehrt.

Und jetzt bin ich zurück und es ist doch vieles erst einmal so geblieben – entgegen meiner Erwartungen! Stecke ich in einer Komfortzone fest? Nein. Ich habe den Vorteil von Routine und Alltag zu schätzen gelernt. Meine Ideen, die ich während meines Auslandssemesters gesammelt habe, sind nicht vergessen, aber manchmal braucht es den richtigen Zeitpunkt, um sie umzusetzen!

„Wer geht, kommt an“ – Und zwar bei sich selbst.

Reisen – Zum Gehen gehört auch Ankommen

Den Alltag von der Ferne aus kritsch zu betrachten, ist immer nur der eine Teil des Reisens. Der andere Teil des Reisens ist das Ankommen. Und als ich dachte, ich könnte einfach weggehen und reisen und hätte damit den Teil zur Auseinandersetzung mit mir selbst erfüllt, stellte ich fest, dass ich mich geirrt hatte.

Im aktuellen „Auszeit“-Magazin gibt es einen schönen Artikel zum Thema Weggehen und Wiederankommen. Dort heißt es sehr treffend: „Wer geht, kommt an.“ Dazu gehört nicht nur geografisch irgendwo anzukommen, sondern auch bei sich selbst.

Das Ankommen ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt beim Thema Reisen, vor allem wenn es darum geht, wieder zu Hause anzukommen. Besonders nach so einem langen Auslandsaufenthalt lernt man diesen Ort sehr zu schätzen. Zu Hause ist dort, wo meine Familie und Freunde leben und wo ich mich zurückziehen kann, um über die Welt nachzudenken und das Erlebte Revue passieren zu lassen. Manchmal gibt es auch mehrere Orte, die man sein Zuhause nennt. Alles in allem ist Heimat aber unglaublich wichtig. Von hier starten alle Reisen und enden sie wieder.

Ich habe eine Millionen neue Ideen mitgebracht, die ich in mein Leben einbringen möchte. Statt aber zurückzukommen und alles, was ich hier habe, über den Haufen zu werfen, habe ich gelernt, Heimat und Routine schätzen zu lernen. In einem gewohnten Umfeld und Alltag unterwegs zu sein, spart Energien, die man zur Verwirklichung von Träumen und Plänen nutzen kann.

Heimat – Ankommen lernen und Routine schätzen

Negatives zu verändern und von neu zu beginnen ist jederzeit möglich. Ob das bedeutet, mein Lebensumfeld zu wechseln oder mich mit jemandem über ein altes Problem auszusprechen – wenn der Schuh drückt, sollte etwas unternommen werden. Negative Bereiche zu lösen kann sich unheimlich erleichternd und befreiend anfühlen!

Was dagegen neu für mich ist und was ich lernen möchte, ist Altbekanntes wertschätzen zu lernen. Ob Gewohnheiten, Orte oder Menschen – all diese Dinge kreieren das unglaublich wichtige Gefühl von Heimat, das es mir erst ermöglicht, wegzugehen und immer wieder anzukommen. Sie sind ein ganz wichtiger Teil, der mich definiert und in Phasen von Aufruhr und Emotionen immer meine Base sein werden, um zur Ruhe zu kommen.

"Wer geht, kommt an" – Warum Heimat und Routine neben Reisen auch wichtig sind.

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